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Skladatel Josef Řepa a Boršíčanka / Komponist Josef Řepa und Boršíčanka


Josef Řepa
Josef Řepa
1909 - 1978

Zu den vielen schon in der Welt berühmt gewordenen Polkas, zu denen beispielsweise Škoda lásky von Vejvoda, Jetelíček u vody von Bláha, Nejhezčí koutek von Borovička und noch viele andere in den letzten Jahren zählen, kommt zweifelsohne noch eine Komposition hinzu. Diesmal keineswegs von der böhmischen Brutstätte, sondern aus der mittelmährischen Region kommend, Borsšcká polka von Josef Řepa.

Ihr Schicksal ist untrennbar verknüpft mit der schwindelerregenden Karriere der Kapelle Moravanka in den siebziger Jahren, die diese Polka in die Umlaufbahn katapultiert und dadurch in viele Länder gebracht hat, in viele Musikkapellen und viele Zuhörerherzen.
Ihr Autor Josef Řepa ist aber einem durchschnittlichen Zuhörer oder auch einem Musikanten oft eine unbekannte Größe und nur wenige wissen über den Komponisten Näheres.

Josef Řepa wurde am 18. März 1909 in Vážany im Bezirk Uherské Hradistě (Mähren) in einer sehr armen, kinderreichen Famile (14 Kinder) als 5. Kind geboren.

Nach Abschluss der Volksschule schickten ihn die Eltern in die militärische Musikschule in Ushorod. Nach ihrem Abschluss kehrte er zurück nach Hause, aber eine Anstellung als Musiker fand er lange nicht. Es blieb ihm nicht anderes übrig, als seinen Broterwerb bei Maurern zu finden und danach im Jahre 1948 bei der Firma Baťa in Zlin. Er gründete in seinem Geburtsort zumindest eine Blaskapelle, die er viele Jahre leitete. Hier und auch in Zlín unterrichtete er junge Musikanwärter im Spiel auf Musikinstrumenten, von denen er wirklich viele beherrschte. Es war kein Problem für ihn, ein Basflügelhorn in die Hand zu nehmen und dem Klarinettisten seinen Part richtig vorzuspielen, er konnte aber genauso eine Posaune nehmen, denn aus den militärischen Musikschulen kamen immer nur gründlich durchtrainierte Musikanten. Josef Řepa zählte zu einem ihrer Besten. Er nahm mit seinen Schülern an vielen Paraden und Wettbewerben teil und erntete immer großen Erfolg.

Erst nach dem Jahr 1948 glückte es ihm, sich der Musik professionell zu widmen. Er wurde in die damals in Gründung befindliche Philharmonie Zlín als Violaspieler aufgenommen und wirke hier bis zu seiner Pension. Darüber hinaus wirkte er selbstverständlich weiterhin in Blasmusikkapellen. Eine der letzten war die Blaskapelle aus Boršice, für die er im Jahre 1972 eine eigene Polka schrieb. Für diese Kapelle wurde diese Polka buchstäblich zur Hymne ...

... aber das ist eigentlich erst der Beginn der Geschichte.

Irgendwann im Laufe des Jahres 1973 gelang es Josef Řepa, das Podium zu erreichen, auf dem Moravanka von Jan Slabák stand und überreichte dem Kapellmeister die Noten der Boršická polka mit der Bitte, sie zu spielen. Jan Slabák stimmte zu und Moravanka spielte die Polka "vom Blatt". Nicht mehr, nicht weniger. Die Noten übertrug dann der damals gastierende Klarinettist Josef Pajunčík in die Brüner Militärmusik und diese begann, die Polka regelmässig zu spielen.

Moravanka machte schon in der Zeit regelmäßige Einspielungen für den Brünner Rundfunk und verkaufte die ersten Schallplatten von Panton. Und so kam die Polka zurück auf die Notenpulte von Moravanka und zur Welt kam ihre erste, tatsächlich außergewöhnliche, stilistisch perfekte Aufnahme zustande, die die neue Welle der mährischen Blasmusik repräsentierte. Und so ließ eine Langspielplatte bei Panton zum dritten Mal nicht lang auf sich warten.

In der Zeit hatte Moravanka (solide gestützt vom Erfolg zu Hause) die weite Welt im Visier und so klang die Boršická Polka bald nicht nur auf europäischen Tourneen von Moravanka, aber auch in den USA, die Moravanka im Laufe der 70er Jahre mehmals besuchte. Einnahmen, die diese Komposition mittlerweile erreicht hatte, gehören in das Reich der Träume, hunderttausendfacher Verkauf von Schallplatten und Kassetten gehören aber leider bei uns (in der Tschechischen Republik) schon zur Vergangenheit. Erstmals kam Boršícanka bei Panton in Druckform heraus und kurz danach auch beim deutschen Verlag Ewoton von Elmar Wolf und damit öffneten sich ihr weitere Wege. Ihre Noten kamen auf diese Weise in unzählige Kapellen in ganz Westeuropa und die Mode der mährischen Welle machte aus ihr eine der erfolgreichsten Kompositionen, die aus unserem Land kommen.

Josef Řepa starb am 30. März 1978. Die größten Erfolge der Komposition sowie das Wachstum ihrer Popularität erlebte er nur teilweise. Er war nicht einmal als Autor in OSA (Ochranný Autorský Svaz in der Tschechischen Republik; vergleichbar zu AKM in Österreich), sodass er nur Bruchteile von seiner Komposition vermarkten konnte und die Tantiemen teilten sich völlig andere außerhalb der Heimat.

Boršická Polka von Josef Řepa, die das wahre Glück anlachte, wird vermutlich nicht lang allein bleiben. Die Interpretationsreife gegenwärtiger mährischer Spitzen-Blaskapellen schafft es, eine gute Komposition auf eine Art und Weise erklingen zu lassen, die zur Begeisterung und zur Nachahmung zahlreicher westlicher Kapellen verleitet, und ist wirklich "ansteckend".


Übersetztung aus dem Tschechischen von Antonín Sprinzl, www.dechovka.eu

Originaltext von Aleš Sigmund, veröffentlicht in der (nicht mehr existierenden) Zeitschrift Slovácká dechovka, Hodonin

Das Bild von Josef Řepa stellte mir dankenswerterweise Michal Princ von der Blaskapelle Boršíčanka zur Verfügung.


© 2003 Antonin Sprinzl Free distribution for non-profit purposes granted as long as the whole content and copyright note remain unmodified.

- CZ - Povím vám, proč mám rád dechovou hudbu a proč jsem jí oddaně sloužil: protože jejím základem je dech. Bez dechu není života, dech je tvořivá síla.
Naši dědové a otcové to věděli, a kdo to chce dnes popírat, je sám proti sobě.
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-- Ladislav Kubeš st.
- DE - Ich sage ihnen,warum ich Blasmusik liebe und warum ich ihr hingebungsvoll mein ganzes Leben diente: Die Grundlage fúr die Blasmusik ist der Atem.
Ohne Atem gibt es kein Leben, Atem ist Schöpfungskraft. Unsere Opas und Väter wussten dies, und wer das bestreiten will, ist selbst gegen sich.
Die böhmische Blasmusik wird nicht untergehen, ihre schöne Tradition erlaubt es nicht.
--Ladislav Kubeš Sen.