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Skladatel Metoděj Prajka, 1898 - 1962 / Komponist Metoděj Prajka

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Alle spielten ihn. Wer war Metoděj Prajka?

Deutschübersetzung aus dem Buch von Stanislav Pěnčík: Když zazpívají křídlovky, Band 1

Man schrieb das Jahr 1898. In der Chronik der Gemeinde Lanžhot ist vermerkt, dass es in jenem Jahr in Podluží großes Wasser gab. Der Fluss Morava trat aus den Ufern am 1. Juni. Der Fluss Dyje dann am 19. Juni und - wie vom Chronikschreiber vermerkt wird, "es gab so viel grobes Wasser, dass wenige Waldhügel nicht überflutet übrig blieben...".
 

Metyn
            Prajka
Metoděj Prajka
in jungen Jahren
Für die Bürger von Lanžhot war es sicherlich ein Ereignis von großer Bedeutung und Unannehmlichkeit, wie wir es, beinahe 100 Jahre später im Zufluss-Gebiet von Morava selbst erleben konnten. Und so wundern wir uns auch nicht, dass der Chronikschreiber in diesem Jahr auf den Seiten der Gemeindechronik sonst nichts vermerkt. Er war kein Prophet und konnte nicht ahnen, dass nach 100 Jahren und sicher auch noch später Leute im breiten Umgebungsgebiet an das Ereignis denken werden, das sich in Lanžhot kurz nach dem großen Wasser ereignete: am 5. Juni 1898 wurde nämlich in der Familie des Häuslers Florian und seiner Frau Anna Prajka ein Sohn geboren, dem sie bei der Taufe den Namen Metoděj gaben, der dann vertrauensvoll von Leuten Meta, oder Metyn, unser Metyn genannt wurde.

Den kleinen Prajka beglückte die Natur nicht mit einer gerade großen physischen Kraft sowie Statur eines Ansässigen von Podluží würdig, er war, wie man zu der Zeit sagte, wie "ein Taschenmesser um einen Groschen", schmächtig, daher wurde ihm von den Schicksalsgöttinnen der Schumacher-Schemel zugedacht. Unter jenen gab es allerdings eine, die ihm schon damals bei der Geburt - vielleicht zum Trotz ihrer Kolleginnen und zur Freude kommender Generationen - leise einflüsterte: "Vergebliche Hoffnung, die Lehre als Schumacher wirst Du zwar abschließen, aber als Schuster bei seinem Leisten bleibst Du nicht, aus Dir wird ein Musikant." Der Vater Florian feierte die Ankunft des einzigen männlichen Nachkommen bestimmt mit einem Umtrunk (von Mädchen hatte er genug zum „Verschenken“). An der Feier nahm auch seine ganze Musikantenpartie teil, die in die Geschichte als die Prajka-Partie einging, eine Partie, die weit und breit als die Musikantenfamilie bekannt war, eine Partie, die in einer nicht nachahmbaren Weise den so genannten "Streich" spielte, aber gegen Ende ihres Wirkens auch die Blasmusik.

Der Lažhoter Jožulka Uher vermerkte in seinen Artikeln über das Geschlecht der Prajka-Musikanten, schon als der kleine Metyn nicht ganze vier Jahre alt wurde, warf seine Mutter dem Vater Florian vor, dass sich der Sohn "in das Musizieren wie er, der Vater, bestimmt hineinstürzt". Sie wünschte es nicht, sicherlich hatte sie mit dem Musizieren ihres Gatten keine allzu guten Erfahrungen (der Tatsache zum Trotz, dass die Musik für einen Häusler, der seine Kinder mit der Aushilfe bei den Bauern ernährte, eine willkommene und notwendige Verbesserung der Situation war.) Und so musste sich der kleine Metyn mit seiner Geige im Keller verstecken. Als aber seine Mutter in seinen sieben Jahren verstarb, beweinte er sie sehr.

Das Leben zeigte, dass seine Mutter recht behielt, es dauerte nicht lange und der kleine Metyn begleitet seinen Vater, aber auch seinen Onkel und Cousin als Musikant zu den Hochzeiten, Begräbnissen und Festen. Er steht mit der Geige, später dann mit dem Flügelhorn hinter den Musikanten in der Ecke so, dass man ihn nicht sieht, aber Schwierigkeiten in der Schule gab es trotzdem, genauso wie Strafen für den unregelmäßigen Schulbesuch. Der junge Metyn verband seine Kindes- und Schulerinnerungen mit der Gestalt des Herrn Direktors und Orgelspielers Folprecht. Offensichtlich zogen sich die zwei Musikantenherzen an. Als er die Volksschule verließ, ging er in die Lehre zum Schuster Klváň in Lanžhot. Es war praktisch, er musste nirgends hinfahren, nichts zahlen und konnte sich der Musik widmen. Gleichwohl sein musikalisches Talent schlief nicht ein. Zuerst die Trommel, dann die Geige, das Flügelhorn, ... alle Instrumente beherrscht er und als er eine Zeitlang die Funktion des Kapellmeisters innehat, nimmt er die Es-Klarinette in die Hand, denn aus diesem Posten wurde die Blasmusik geleitet, aber darüber erst später.
Der Erste Weltkrieg geht dem Ende zu, Metoděj Prajka rückt nach Vyškov ein und es kommt der historische Augenblick, der über sein ganzes Leben entscheidet. Auf Wiedersehen Schusterschemel, Musik sei hoch gelobt. Erfahrungen vom Vater ziert er mit der gewonnenen Praxis bei der Militärmusik, mit der Musiktheorie, die er aufzunehmen schafft und dann, nach dem Militärdienst, kurz weiterentwickelt durch ein einjähriges Studium auf der Musikschule in Břeclav. Das war alles, das Übrige besorgte die Praxis und sein außergewöhnliches Talent.

Gehen wir aber noch zum Musikantengeschlecht der Prajkas zurück, deren Abstammung Metyn war und dieses Geschlecht dann allein, als die Blaskapelle vom Vater längst aufhörte zu existieren, so berühmt machte. Auf dem Foto, freundlicherweise von Jožulka Uher zur Verfügung gestellt, das aus dem Jahr 1902 stammt, stellen sich drei Musikanten vor: mit Tenor Josef Prajka, mit der Klarinette Michal Prajka, Trompeten Antoš Prajka (Kapellmeister), František Gál (Gálík), Froliš Prajka (der Vater von Metyn), mit dem Helikon Jan Prajka (genannt Barák) und der Schlagwerker Matěj Uher (Matýsek).

Die Zeit verwischt manche Erinnerungen, nicht wahr, anderen richtet wiederum die menschliche Erinnerung zurecht und bei ihrem Weiterreichen von einer Generation auf die Nächste geht diese eher in Legenden über. Aber, wie man sagt, in jedem Spruch ist ein Körnchen Wahrheit. Und so sehen wir uns die Erzählung von Jožulka Uher an, wie er sie aufzeichnete und publizierte, ein Sohn von Jožka Uher-Uhřík, eines der Musikanten aus Lanžhot. Sie sind zum Schmunzeln schon auch deshalb geeignet, weil damalige Musikanten die Musik und das Leben anders nahmen als die Heutigen, ewig Eiligen ...

Prajka-Klan war offenkundig die letzte Blasmusikpartie, deren Wirkungsgebiet das so genannte Moravské pole ( Marchfeld ) war. Das deshalb, weil sie übers Lanžhoter Augebiet und über den Fluss Dyje in manche, heute schon österreichische Ansiedlungen wie Cahnov, Ranšpurk, Pernitál zu Fuß gingen. Und gerade bei der Rückkehr von diesen Spielereien erlebten sie unzählige lustige aber auch gespenstische Begebenheiten. Einmal, so die Erzählung, nahmen sie bei der Rückkehr eine Abkürzung über den eingefrorenen, mit sehr dünner Eisschicht bedeckten Fluss Dyje. Sie überquerten den Fluss einer nach dem anderen auf dem Kontrabass wie auf einer Rodel. Derjenige, der auf dem Cahnov-Ufer wartete, zog den Kontrabass vom Lanžhot-Ufer mit Hilfe eines Spagates zu sich. Das Eis krachte dabei gefährlich, hielt es aber aus, hingegen der Kontrabass ...

Oder ein anderes Mal unterwegs bei Pláky oder Lány stoßen sie auf einen Kuhfladen. Irgendeiner von der Partie schlussfolgerte, dass so etwas nur eine alte Teufelskuh scheißen konnte und dieser daher naheliegender Weise zu spielen sei. Sie stellten sich um den Kuhfladen im Kreis herum und fingen an lauter Ordinäres zu spielen.
Ein anderes Mal wiederum begegneten sie bei der Morgendämmerung am Permitaler Weideland einem alten weißen Ross. Und weil es schien, dass er irgendwie traurig sei und ihnen mit dem erzielten Verdienst in Pernital auch in keiner Weise zum Jauchzen zumute war, sagten sie sich, dass sie dem Schimmel zur Freude paar Stückerl spielen werden. Als dann der Kapellmeister Arnošt dem Trommler Matýsek die Anweisung gab, auf die Trommel zu hauen, gab der Ross zu erkennen, dass er weder alt noch traurig ist.

Aber die am Meisten verbreitete Begebenheit erzählt darüber, wie die Prajkas in Kyčové im Kürbis spielten. Kyčová ist ein Klumpen, ein Batzen im Lanžhoter Auwald. Was heißt dort ein Batzen? Es ist Eine kleine, nicht bewaldete Erhöhung, ein kleiner Hügel, eine kleine Insel für die Waldtiere, kurzum in der Zeit der Überschwemmungen meistens ein nicht überschwemmtes Stück Erde. Auf diesen Batzen soll es angeblich zauberhaft fruchtbares Ackerland geben.

Laut Erzählung soll es sich damals zugetragen haben, als die Prajkas den so genannten Streich spielten. Es gab einen heißen Herbstbeginn und Prajkas kehrten zurück von einer Spielerei in Ranšpurk. Kaum ließen sie die letzten Dorfbehausungen in weiter Ferne hinter sich, kam ihnen von Pálava eine Riesenwolke wie eine Matratze für die halbe Hölle entgegen, mit einem Wolkenbruch sondergleichen, der auch Noah selbst überrumpeln würde. Eine Überraschung für die Prajkas? Aber wo denn! In dem Augenblick, wo sie den Regenvorhang mit den ersten Tropfen auf den Fersen spürten, groß wie die Hühnereier, erreichten sie gerade einen Batzen in Kyčové.
Nirgends eine Futterkrippe oder eine Heuscheune zu sehen, als sie plötzlich im Erdäpfelfeld hoch wie Rogen einen gelbroten Kürbis bemerkten, groß wie das halbe Lagerhaus eines reichen Bauern. Und weil es die Prajkas waren, bekamen sie alle auf Anhieb den gleichen Einfall: kaum fiel der erste Tropfen, schon waren sie samt ihren Instrumenten drinnen im Kürbis. Gemütlich richteten sie sich ein und stärkten mit Speck und Rum, was sie vom Wirten Vajčmon auf den Rückweg bekamen. Das Gewitter tobte, aber den Prajkas war im Kürbis wie in einem gut geheizten Landhaus und so war es kein Wunder, dass sie Lust bekamen zu spielen. Sie musizierten im Kürbis mit einer großen Begeisterung und es gefiel ihnen selbst so sehr, dass ihnen der Zeitbegriff abhandenkam. Der Wolkenbruch war vorbei, aber die Prajkas spielten und spielten …

Und so ereignete sich zu dieser Zeit, dass Graf Lichtenstein nach dem Gewitter einen Ausritt in diesen Wald unternahm. Er entdeckte die Prajkas im Kürbis, setzte sich zu ihnen und trank und sang mit ihnen gemeinsam. Thja, dies wird vermutlich nicht mehr wahr sein, aber dass die Prajkas im Kürbis in Kýčové spielten, das ist die echte Wahrheit. Sagt man doch in Podluží von diesem Augenblick an, wenn irgendeiner Blaskapelle die Instrumente im Saal dumpf klingen … „hörst du, die spielen schon wieder wie die Prajkas im Kürbis in Kýčové …

Also so war die musikalische Partie der Prajkas. Dort sind die Wurzeln, aus denen im Umbruch des 19. und 20. Jahrhunderts ein neuer Musikantenspross wächst, der auch in den letzten Monaten des neuen Jahrhunderts frisch und grün ist. Die Musik, in Noten festgehalten, kann nicht vergessen werden, nur die menschliche Erinnerung weist Lücken auf. Mit Hilfe der Augenzeugen sowie Dank dem Umstand, dass Jožulka Uher zur rechten Zeit aufgeklärt war und manches aufzeichnete, können wir im Gedächtnis dieses Buches auch manches noch retten…

Wir verließen den jungen Metoděj Ptajka in einem Zeitraum, als er einmal für immer die Entscheidung fasste, Musikant zu werden und den Bundesheerdienst in Vyškov beendete. Bald darauf, am 21. Jänner 1920 heiratete er Viktoria Hrazdilová aus Brodský, von der anderen Seite des Flusses Morava. Zwei Jahre lebten sie miteinander in der Slowakei, wo der junge Metyn kurz nach der Hochzeit seine eigene Blaskapelle gründete, die Zehner Blaskapelle. Es war eine Blaskapelle, die in der jungen Republik bald einen ausgezeichneten Ruf erlangte. Die Zuhörer waren von den Polkas und Walzern begeistert, von Ländlern, Märschen, Verbuňk und Vrtěná. Von diesen hörten sie manche in Darbietung dieser Blaskapelle zum ersten Mal, nicht ahnend, dass unter der Aufschrift „unbekannter Autor“ schon damals der unglaublich talentierte und unbeschreiblich bescheidene Metoděj Prajka steckt.

Als Metoděj Prajka nach Lanžhot zurückkehrt, übernimmt die Leitung der Blaskapelle in Brodský der Bassflügelhornist Ferda Dujsík, genannt Apaka. Nach ihm nannte man auch die Blaskapelle aus Brodský APAKA und nach damaligen Augenzeugen ist Dujsík der Autor bekannter Polkas Brodská und Kútská. Diese Behauptung zu beweisen ist aber nicht mehr möglich.

Im Jahre 1923 beginnen Eheleute Prajka in Lanžhot in der Neugasse ein Haus zu bauen. Von der Slowakei verabschiedet sich Metyn aber nicht, im Gegenteil, manchmal fährt er für die ganze Woche mit Fahrrad hin, um junge Musikanten im ganzen „Záhoří“ zu unterrichten, bis zu „vinařské Modré“. Die Slowakei wuchs Prajka so ans Herz, dass er mit dem Land den Kontakt auch während des Krieges aufrecht hält, als die offizielle Verbindung unterbrochen wurde. Kurz um – die Musik und die Grenze, sie wissen schon! Noch heute findet man in der Slowakei Musikanten, die sich damit rühmen, dass sie von Metyn Prajka unterrichtet wurden. In Kopčany sind es zum Beispiel Lacko und Fero Beňo. In Brodský spielen bis heute Eda Šimkovič, genannt Galánek. Metyn war als Lehrer dadurch bekannt, dass er genau die Voraussetzungen seiner Schüler für ein bestimmtes Instrument erkannte. Im Jahre 1922 kam in der Familie Prajka der Sohn František zur Welt, erbte aber nach seinem Vater kein musikalisches Talent ( vielleicht nur die Liebe zur Slowakei, wo er heiratete und im Jahre 1985 starb ), und zwei Jahre später die Tochter Růžena, die mit ihrem Ehemann Antonín Bartoš nach wie vor in dem Haus in der Neugasse lebt, das ihr Vater seinerzeit gebaut hatte.

Im Jahre 1925 verlässt der Vater von Metyn, Florián, diese Welt und die junge Familie hat volle Hände zu tun, sich zurechtzufinden. Die Schusterei ernährt sie nicht, großzügiger ist schon die Musik, in erster Linie die Vervielfältigung von Noten. In dieser Sache war Metyn, wie František Juráček immer sagte, ein Phänomen: „Ich selbst hatte mich davon überzeugt, dass er eine Komposition für zehn Instrumente vier Mal am Tag schrieb. Vormittag zwei Mal und nach dem Mittagsessen auch zwei Mal. Er konnte Noten so schnell und so sicher schreiben, wie anderer die Kurzschrift. Wenn es notwendig war, schrieb er den ganzen Tag und die ganze Nacht….“
Es ist die Kriegszeit. Die Deutschen nahmen ihm den Kapellmeister-Gewerbeschein. Und so arbeitet er am Sägewerk in Břeclav, Tanzveranstaltungen und Feste sind verboten, die Musikantengage reicht nicht aus. Aber auch der Krieg beeinträchtigte nicht Metyn´s seine Lehrertätigkeit. Weit und breit kann niemand  doch alle Instrumente für „Streich“ und Blasmusik so beherrschen wie er. Nicht nur spielen sondern auch lehren, wie man spielt.

Es wird vermutlich keinen Augenzeugen geben, der bezeugen könnte, welche seine Komposition die Erste war und wann es war. Vermutlich wussten es auch nicht die Musikanten, die damals mit ihm spielten. Wie wir schon einmal sagten und ohne Zweifel noch mehrmals wiederholen werden, bekam Metoděj Preijka von den Schicksalsgöttinnen nicht nur Talent in die Wiege gelegt, dessen Ausmaß wir heute nicht genug schätzen, er bekam auch das Geschenk der Demut und Bescheidenheit, die heutzutage von den Schicksalsgöttinnen vermutlich nicht mehr vergeben werden. Davon bezeugen auch Erinnerungen von Augenzeugen, aufgezeichnet von Jožulka Uher. Wie schuf er seine Werke? „Nicht lang nach der Hochzeit passierte es öfters, dass der Vater neben mir, in der Nacht, auf einmal vom Bett aufspringt, setzt sich zum Schreibtisch und schreibt und schreibt. Als es sich sehr oft wiederholte, ließ es mich nicht in Ruhe und ich fragte ihn was das zu bedeuten habe. Der Vater erzählte mir dann, dass er hin und da eine Melodie in den Kopf bekommt, die er sofort aufschreiben muss, damit sie ihm bis Morgen nicht „davonfliegt…“ erinnerte sich später seine Ehefrau Viktoria. Ähnlich erinnert sich auf „Opa´s Komponieren“ auch sein Schwiegersohn, der vermerkt, dass er seine Kompositionen oft mit „unbekannter Autor“ unterzeichnete. Es bietet sich hier eine Parallele zu Fanoš Mikulecký an, der sich auch nicht lange Jahre zu seinen Liedern bekennen wollte, vielleicht aus Angst, würden die Leute nämlich wissen, dass der Autor unter ihnen lebt, würden sie die Lieder nicht so unmittelbar aufnehmen.

Als die Metyn´s Blaskapelle in Brodský aufhörte zu existieren, spielt er in der Blaskapelle von Lánička in Hrušky und nach ihrem Untergang geht er mit einigen weiteren Musikanten zur Blaskapelle von František Juráček in Týnec. (František Juráček aber erinnerte sich, dass Prajka seiner Blaskapelle bereits 1928 das erste Mal aushalf). Zu diesem Zeitpunkt gehört schon Bassflügelhorn zu seinen meist geliebten Instrumenten, aber auch Posaune.

„In den 29 Jahren unseres gemeinsamen Lebens sah ich ihn nie weinen…“ erinnert sich der Schwiegersohn Arnošt., „erst nach der Front. Während des Protektorats hatte er sich nämlich auf Bestellung bei der Firma Lidl in Brünn eine Posaune fertigen lassen. Beim Frontumzug wurde die Posaune von einem der Befreier entdeckt und weil man mit dem eigenartigen Instrument nicht schießen konnte, schlug er das Instrument am Baum zur Gänze zusammen…“

In der Blaskapelle von František Juráček spielte Metoděj Preijka ab dem Jahr 1942 bis zu seinem Tod. Der Kapellmeister Juráček erinnerte sich an ihn als Autor ziemlich oft. Wenn man sich bei Juráček eine gewisse Neigung zur Übertreibung wegdenkt, ist es nur ein Zeugnis der bereits erwähnten Demut und Bescheidenheit:
„Einmal spielten wir in Josefov. Wir gehen so durch das Dorf und auf einmal fängt das Dorfradio an, die Polka Sněženka zu spielen. Ich höre zu und sage dann zu Metyn: Also Metyn, wir spielen sie auch, nicht wahr, aber hörst du, wie sie die da präzise spielen? Metyn drehte sich zu mir und antwortete mit seiner wie fast gleichgültigen Stimme: Freilich höre ich´s, es ist doch meine Arbeit! Ich schau ihn mit aufgerissen Augen an. Du hast die Polka komponiert? Er nickte bejahend und geht weiter. Ich renne gleich zum Gemeindeamt. Ich sage ihnen, sie sollen mir sofort die Schallplatte zeigen, die sie soeben spielten. Ich schaue mir das Cover an und dort steht Polka SNĚŽENKA, unbekannter Autor!“

Ja, das ist die Erklärung dafür, warum auf unzähligen Schallplatten zwar seine Kompositionen zu finden sind, aber seinen Namen finden wir nicht. "Ich habe ihm vorgeworfen, dass er sich um seine Autorenrechte nicht kümmert, dass er seine besten Stücke nicht aufnehmen lässt, oder warum er einige davon nicht verlegen lässt. Er schaute mich wieder wie dort in Josefov an und mit der gleichen Stimme antwortet er mir: Franzi, schau mal her, wenn es Musikanten in der ganzen Republik spielen würden, so werden die Stücke bald abgedroschen und uninteressant, es wird dann nicht so geschätzt wie heute, wo es nur von uns gespielt wird. Und dann weiter, ich müsste laufend mit jemand streiten, die würden mich wieder zu irgendeiner Prüfung zwingen. Aber, lassen wir es, er winkte mit der Hand und damit war fertig geredet!
Wenn über Komponisten geschrieben wird, tauchen oft Fragen auf, wie viel der Autor im Laufe seines Lebens geschrieben hat. Diese Frage bei Metoděj Prajka zu beantworten ist nicht leicht. Wir sagten uns schon, dass er in seiner Bescheidenheit seine Kompositionen mit "unbekannter Autor" gezeichnet hat. Um eine gewisse Zusammenfassung bemühte sich František Juráček, aber es handelt sich bestimmt nur um eine Schätzung: "Ich habe keine Angst zu sagen, dass sein musikalisches Werk etwa 100 Polkas enthält, 50 Ländler, 35 Walzer und etwa 20 Märsche. Alles zusammengenommen könnte es bei 250 Stücken liegen..."

Zu wenig, oder doch viel während der fünfzig Jahre seines Musizierens? Auch bei Metyn´s Werk gelten Worte des Dichters František Halas: "Jede Komposition ist eine Botschaft, gesteckt in eine Flasche und geworfen in den Ozean der Zeit und der Menschen. Es ist nicht wichtig, wie viel Flaschen wir hineinwerfen, wichtig ist es, dass zumindest eine einzige ankommt und mit ihr die Botschaft, die mindestens ein einziges Herz anspricht..." Die Botschaft von Metoděj Prajka spricht immer wieder viele Menschen an und wird auch weiterhin so im nächsten Jahrtausend.

Oft wird angeführt, dass Prajka keine offizielle Anerkennung zuteilwurde und dass er in OSA, den Schutzverband der Autoren, nicht aufgenommen wurde. Diese Behauptung muss korrigiert werden. In OSA wurde er seiner Zeit aufgenommen, aber kurz darauf, in den fünfziger Jahren, ist er auf seinen Antrag ausgetreten. Niemand wird vermutlich feststellen können, warum eigentlich, er war viel zu sehr verschlossen und sprach wenig, als dass er unter den Kollegen Musikanten ein Wort darüber hätte fallen lassen. Man kann aber voraussetzen, dass darin sein angeborener Widerwille zu Kontrollen und offiziellen Stellen einen Niederschlag fand. Ich erinnere mich an František Juráček, der bei einer Gelegenheit ein angebliches Gespräch mit Prajka zitierte, nachdem er von einer seiner Prager Reisen zurückkehrte: "Na Metyn, haben sie dich aufgenommen? Nein, das haben sie nicht. Wie so haben sie dich nicht aufgenommen, deine Musik gefällt ihnen nicht? Aber wo denn nicht gefallen, aber kenne ich denn jede Vogelscheuche?" Angeblich wurde er gefragt, wer Beethoven war. Wie wir Juráček kannten, ist es notwendig, dieses lustige Gespräch mit einer anständigen Portion Vorsicht zu betrachten. Sicher ist allerdings, dass unlängst den Erben von Metyn gelungen ist (mit Hilfe von Aleš Zikmund und insbesondere durch den Verdienst von Dr. Pospíšiliková) an seine ursprüngliche Mitgliedschaft in OSA anzuknüpfen.

Jožulka Uher schreibt in einem seiner Veröffentlichungen in der Zeitschrift Malovaný kraj ("Farbenprächtige Region"), dass bei jedem Wettbewerb, an dem die Juráček-Formation teilnahm, wurden Metyn-Kompositionen hoch bewertet und im Jahre 1961 beim regionalen Wettbewerb in Brünn sagte Prof. Chvalkovský zu Metyn wortwörtlich: "Sie sind ein Volksmusikant und Komponist, den ich noch nicht kennen lernte. Sie verdienen mehr als bloß meine persönliche Bewunderung..." Und heutige Gegenwart? Metyn findet Bewunderung und Anerkennung in ganz Europa.

Wie war Metoděj Prajka?

Im Unterschied zu František Juráček, mit dem ich in den letzten Jahren seines Lebens gut befreundet war, den ich bei der Arbeit als Kapellmeister und als Lehrer junger Musikanten verfolgte, den ich mehrere Male bei ihm zu Hause in Týnec besuchte und mit dem ich sogar bei einigen Auftritten zusammenarbeitete, lernte ich Metoděj Prajka persönlich nicht kennen. Umso leidenschaftlicher suchte ich seine Spuren, fragte Leute, die ihm nah waren.

Er war entgegenkommend, niemand - und von denen, die zu ihm mit einer Bitte oder einem Anliegen kamen, gab es unzählig viele - er konnte kein Hilfeansuchen abweisen, niemals sagte er zu jemand nein. Wie es nun bei solchen Leuten nicht selten ist, nicht nur einmal zahlte er darauf, aber sicherlich hatte er es sich nicht zugestanden, er betrachtete es als selbstverständlich. Wie die Mehrheit der Leute, die wirklich etwas können, war er äußerst scheu, lehnte Lob und Ruhm ab, er ließ seine Außergewöhnlichkeit nicht zu, darum hatte sie ihn auch nicht zerstreut. In seinem Hof gab es einen kleinen Raum, ein Ofen, ein Tisch, Zigarre, das war vorm Ende seines Lebens alles, was er benötigte. So beobachten ihn Ende Jänner 1962 seine Nächsten und beginnen von Befürchtungen erfüllt zu werden. Der "Opa" lässt seine Zigarre kalt liegen, ein böses Omen ist es.

Mety Prajka
            in späten Jahren
Metoděj Prajka
in späten Jahren
Am 25. Jänner 1962 veranstalten Absolventen der technischen Agrarschule in Mikulov am Schloss eine Abendveranstaltung. Sie haben die Blaskapelle des „Onkel“ Juráček“ aus Týnec eingeladen. Niemand von den Musikanten ahnt, dass diese Veranstaltung zugleich ein Abschied nehmen von Metyn sein wird. Er beschwert sich über die Kälte, über den schlechten Atem, „Asthma wie ein Teufel würgt mich“, redet sich die Schmerzen von der Seele und ist bleich im Gesicht. Einer der Musikanten sagt ihm in der derben Musikantensprache: „Hey Metyn, ich ahne, der Teufel wird dich bald holen! Der heilige Schein hinter deinen Ohren leuchtet bis nach Wien!“

Metyn dreht sich zum Musikkollegen um und antwortet nicht, wie es seine gewohnte Art ist, „geh, du Plaudertasche“, er lächelt kurz auf und sagt, … „so soll er mich holen…“

Eine Woche später gibt es eine Tanzveranstaltung in Lanžhot. Musikanten warten bis nur Metyn kommt. Er kommt und kommt nicht. Im letzten Augenblick kommt sein Neffe daher gerannt und richtet aus: „Herr Juráček, der Opa lässt ihnen ausrichten, dass er sich sehr schlecht fühlt. Für heute sollen sie ihn auslassen …“

Um die Mittagszeit am 7. Februar 1962 breitet sich wie Feuer durch Lanžhot die traurige Kunde: METYN STARB… „An dem morgigen Tag“, erinnerte sich seine Frau, „saß ich bei ihm auch mit dem Herrn Pfarrer Streit. Plötzlich fing er an mit dem Finger auf der Decke zu schreiben. Ich frage ihn: Papi, schreibst du Noten? Ja Mutter, ich schreibe Noten! Und warum? Ich werde  Herrn Kaiser in Wien spielen. Renn zum Bahnhof Fahrkarten zu kaufen. Der Herr Pfarrer wird mit uns fahren, laufe hin! Und reiche mir meine hohen Stiefel! Er beruhigt sich, aber nicht für lang. Ich besänftige ihn und sage ihm, dass in Kürze der Krankenwagen kommt und ihn ins Krankenhaus führt. Ich werde fahren, sagt er, aber in Kürze bin ich wieder zurück. Und kam zurück … in zwei Stunden …“.

Im Laufe seines ganzen Lebens, erinnert sich Jožulka Uher in der Zeitschrift „Malovaný kraj“, war er kein einziges Mal krank. Er war als Bub vom zarten, eher kränklichen Wuchs. Vielleicht deshalb ereilte ihn ein so baldiges Lebensende. Er verließ uns ohne ein Testament, nur mit dem Wunsch in der Agonie, dem Kaiser in Wien zu spielen. Vielleicht war das eines seiner Wünsche aus der Kindeszeit, wer weiß…

Er hatte pompöses Begräbnis. Auf seinem letzten Weg begleiteten ihn und spielten sieben Blaskapellen aus Podluží den Trauermarsch „Treues Lieben“. Doch Treue zur Musik war auch der Sinn seines Lebens…

Am Lanžhoter Friedhof nahm Abschied von Metoděj Prajka stellvertretend für alle Kameraden Musikanten sein Namenvetter Ludvík Prajka Ältere, für alle, denen er zeit seines Lebens mit seiner Musik Freude bereitete. Verse für diesen Augenblick verfasste Jožulka Uher (Anm: Die Übersetzung von mir deckt sich inhaltlich weitestgehend mit dem Originalgedicht):
Zum Glück reicht  oftmals,
Treusein einfaches nur,
in Noten wahren Ausdruck zu finden,
Unsterblichkeit besiegelt,  pur,
Klarinette, Trompete, Bariton,
welches Instrument nannte er fremd?
Strenges Ohr hatte er für Harmonie,
für puren Ton, unverfälschten Klang,
Instrumente mochten  Dissonanz nie,
In Marsch, Polka, Walzer, Gesang,
doch sein Herz, in jedem Saal verschenkt,
kam jäh in zeitliche Bedrängnis,
weiter wollte´s nicht, in den Schlag tief gesenkt.

Ernten werden wir noch lange,
seiner musikalischen Saat das Korn,
sein Instrument findet junges Gemüt, ohne Bange,
möge für uns alle, zu ihm bis nach vorn´,
der Weg mit Gras nicht verwachsen.

im Jahre 1976 kehrte eine Gruppe junger Musiker aus Lanžhot von ihrem Militärdienst heim und gründete eine Blaskapelle, die sich zuerst Zituška nannte, dann Kosenka nach dem Kapellmeister Vít Koska und schlussendlich am Treffendsten Lanžhotčanka. Eine Reihe von Jahren leitete sie ein Nachfahre vom Geschlecht der Prajkas, genannt Ludvíček Prajka (um ihn von seinem Vater Ludvik Prajka zu unterscheiden). Gegenwärtig ist Emil Hrubý der Kapellmeister, künstlerischer Leiter Jaroslav Humpolík aus Brünn. Lanžhotčanka gewann unter seinem Taktstock den zweiten Platz beim Goldenen Flügelhorn in Hodonín und lange Jahre gehört diese Blaskapelle ohne jede Übertreibung zum Besten, was diese Ecke von Mähren anzubieten hat. Schwerlich kann man sich Festivitäten in vielen Dörfern zwischen Břeclav und Hodonín ohne sie vorstellen, man kann sich kaum eine Radiosendung ohne ihre Aufnahmen vorstellen. Denn sie schöpfen nicht nur aus der langen Tradition, aber vor allem aus dem tiefen Brunnen, der vom berühmtesten Lanžhoter Bürger vielleicht aller Zeiten gefüllt wurde. Auf einer Tonaufnahme von Lanžhotčanka, mit der Bezeichnung "Lanžhotčanka spielt Metoděj Prajka", finden wir zum Beispiel den Marsch "U slovácké búdy", Polka "Lenivá", den Walzer "Oči černé", Polkas "Dva kamarádi" und "Májový lístek",  "Marná naděje", Polkas "Kútská", "Záludná", "Lanžhotčanka",  "Nemám nic", Polkas "Údernice", und "Sibiřská", "Šibřinky", Polk "Břeclavanka", den Walz "Vede cestička" und eine der beliebtesten Orchestralpolkas "Soutěžní". Auf dem Tonträger ist ein Foto von Metoděj Prajka mit seinem geliebten Basflügelhorn sowie aufrichtige Worte "Gewidmet dem Andenken an den Landsmann und Komponist Metoděj Prajka".

Ja, auch in Lanžhot fanden sich junge Lippen für Melodien, zu denen der Weg nie mit Gras verwächst und ich wette, dass auch im kommenden Jahrtausend nicht verwachsen wird. Und sein Instrument? Noch zu seinen Lebzeiten versprach er das Instrument dem jungen Luďa Steiner aus Lanžhot zu überlassen, dessen Vater diesen bescheidenen Musikanten und Komponisten frisierte.

Metyn seine Frau überlebte ihn um 11 Jahre. Sie erzählte angeblich Jožulka Uher ihren Traum:
"Mir träumte, dass ich in einem großen, schönen Saal bin. Dieser war voll mit Frauen. Neben der Blaskapelle steht mein Vater, gekleidet im Anzug, als er noch ledig war, ein fescher Bursche in seinem Mantel mit Fell am Kragen, Reithosen und hohen Stiefelschuhen. Ale Frauen drängen sich zu ihm und bittend schreien übereinander: Metyn, spiel uns, spiel nur. Ich gehe auf ihn zu und frage ihn: Vater, was machst du denn hier? Ich spiele Mutter. Dann spiel auch mir, ich bitte ihn. Und er spielte. Du mein Gott, das war eine schöne Musik. Und als er aufhörte, frage ich ihn: "Und was machst du dort?" Ich spiele ständig. Der Herr Gott hat mich sehr lieb."

Wie könnte er auch nicht, möchte man zu diesen einigermaßen mystischen Worten seiner Lebensgefährtin hinzufügen. Am Sterbeblatt dieser Legende von Podluží stand, dass er in Folge seiner Lungenkrankheit starb. "Ich hab´ mir so gedacht", seufzte seine Frau, "ob er sich vielleicht die Lunge in den 5O Spieljahren nicht ´leer geblasen´ hat.

C2007, Antonín Sprinzl
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Ein Nachsatz: Metoděj Prajka starb am 7. Februar 1962 in Lanžhot und nicht in Wien, wie man gelegentlich da und dort nachlesen kann.

- CZ - Povím vám, proč mám rád dechovou hudbu a proč jsem jí oddaně sloužil: protože jejím základem je dech. Bez dechu není života, dech je tvořivá síla.
Naši dědové a otcové to věděli, a kdo to chce dnes popírat, je sám proti sobě.
Česká dechovka nezahyne, její krásná živá tradice to nedovolí.
-- Ladislav Kubeš st.
- DE - Ich sage ihnen,warum ich Blasmusik liebe und warum ich ihr hingebungsvoll mein ganzes Leben diente: Die Grundlage fúr die Blasmusik ist der Atem.
Ohne Atem gibt es kein Leben, Atem ist Schöpfungskraft. Unsere Opas und Väter wussten dies, und wer das bestreiten will, ist selbst gegen sich.
Die böhmische Blasmusik wird nicht untergehen, ihre schöne Tradition erlaubt es nicht.
--Ladislav Kubeš Sen.