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Gründung einer Europa-Meisterschaft im Lipizzaner-Tanz

Lipizzaner

Lipizzaner
Spanische Reitschule Wien

Aus dem Tagebuch eines Wiffzack-Erfinders*)

Unlängst saß ich in meinem Garten, genoss die Kraft spendender Strahlen der Sonne, lies mich durch das süße Konzert der gefiederten Waldkollegen in andere Welten verführen, döste in die Ferne, wurde abgelenkt durch unwillkürlich aufkommende Gedanken über die Entstehung von Schneeberg, den ich an schönen Tagen von meiner alpenländischen Residenz aus sehen kann.

Krampfhaft habe ich in meinem geistigen Inneren nach allerlei Einfällen herumgewühlt, ja, insbesondere nach einem sehr originellen. Ob es nun eine göttliche Eingebung gewesen sein mag oder das ausgiebige Frühstück kurz davor, mag ich im Augenblick nicht mehr zu beurteilen. Plötzlich kam mir jedenfalls ein Gedanke auf, der sich auf meine augenblickliche emotionale Verfassung wie ein Erdbeben auswirkte.

Ja, dachte ich´s mir, Abrakadabra, ich hab´s.

Ich werde - meine Entschlossenheit war in diesem Augenblick der plötzlichen Eingebung außer Zweifel - eine Europäische Meisterschaft im Lipizzaner-Tanz gründen. Im Folgenden führe ich einige wesentliche Gründe an, um die Originalität meines Einfalls zu erhärten sowie etwaige Bedenken meiner Freunde zur Gänze zu zerstreuen.

1. Als ein „Zug´raster“ in Wien sehe ich die Dinge grundsätzlich anders. Die Wiener wissen ja gar nicht, was sie da Zuhause haben, für die ist es ja selbstverständlich, dass sie hupfende Lipizzaner haben. Wegen ihrer diesbezüglich „angeborenen“ Betriebsblindheit kommen sie ja auf eine derartige Idee überhaupt nicht, eine anständige Europa-Meisterschaft im Lipizzaner-Tanz ins Leben zu rufen.

2. Sind wir uns nun einmal ehrlich, Pferde gibt es in ganz Europa, nicht wahr? Die Notwendigkeit einer derartigen Einrichtung scheint also evident zu sein. Der Gedanke liegt demnach nahe, einen solchen Wettbewerb unverzüglich zu konstituieren. Leben wir nicht in einer materiellen Welt? Na also. Es könnten Publicity, eventuell auch „Bares“ in irgendeiner Form allemal dabei zu holen sein. Weil ich aber „net depat“ bin, wie die Wiener sagen, hege ich natürlich nebenbei auch noch den Hintergedanken, einmal mit einem großen Geschäft mit Accessoires für Pferde in den Markt vorzupreschen.
Das sage ich aber sehr ungern laut, am Liebsten unter der vorgehaltenen Hand. Denn es schickt sich in unseren Breitengraden ja nicht (wir befinden uns in Europa, oder?), dass Kultur, noch dazu eine eigenständige traditionelle Kultur eines anderen, „mir nichts dir nichts“ von mir „vermarktet“ wird.

3. Für irgendeinen Wettbewerb brauch man immer, das darf man in keiner Weise übersehen, eine Jury. Da ist bei der Zusammensetzung geeigneter Mitglieder stets Vorsicht angebracht. In Frage kommen natürlich nur Leute, die Pferde in irgendeiner Form schon kennen, etwa aus welchen Teilen sie bestehen, welche Farben kommen in Frage (z.B. grün wäre ein eklatanter Missgriff), Ursprung und solche Details, zumindest schon einmal sich über Pferde Gedanken gemacht bzw. für sie eine kleine Koppel auch schon eigenhändig gebaut haben.

Also, da sehe ich wirklich nicht das Problem. Erstens habe ich die Lipizzaner schon gesehen, einem habe ich sogar den Sattel im Rahmen einer Führung anbinden dürfen und bei der Gelegenheit zwei äußerst nette Betreuer persönlich kennengelernt. Mensch, die haben mir Geschichten erzählt, was sie alles schon mit den Lipizzanern erlebt haben. Das hat mich gleich ganz schön beeindruckt. Meine Einladung zum Mitmachen haben sie gerne aus Gründen mangelder Auslastung angenommen. Nun, meine liebe Tochter Lucia darf ich auch nicht vergessen. Sie hat einen extrem lieben Zugang zu Pferden und hat bereits erste Erfahrungen im Westernreiten, na also. Somit wären wir bereits mit meiner Fachkompetenz zu Viert. Es ist empfehlenswert, eine Jury klein zu halten, sonst kommt es bekanntlich oft zu Ungereimtheiten und Streitigkeiten vor der Ergebnisverlautbarung. Ich überlege noch, ein Mitglied mit einem besonderen Renommee aus den hohen Etagen der Hofburg einzuladen, damit die Jury ein „besseres Gesicht für die Öffentlichkeit“ bekommt. In kurzen Gesprächen habe ich den bereits fixierten Jury-Mitgliedern nahegelegt, ihr bestehendes Wissen durch allgemeine Theorie des „Classical Dressage“ zu ergänzen und sich jedenfalls die wesentlichen Grundfiguren der Spanischen Hochreitschule anzuschauen.

4. Und nun schnell an die Öffentlichkeit, unter die Pferdeliebhaber. Kleine Hilfe: „Wozu haben wir das Internet?“ Du meine Güte, ist das ein wirksames Werbemittel. Die Öffentlichkeit zu erreichen ist einfacher, als für ein solch gezüchtetes Pferd ein anständiges Futter zu besorgen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich kein wesentliches Element, dass in diesem Zusammenhang zu überlegen wäre, außer Acht gelassen habe.


Thja, eine Kleinigkeit muss ich ergänzend noch anbringen, dass mir eigentlich „Wurscht“ sein kann, welche Pferde an meiner Europa-Meisterschaft teilnehmen werden. Eine Handvoll werden sich wohl irgendwo finden. Lipizzaner werden mich wahrscheinlich erst gar nicht ernst nehmen.

*) Wiffzack österreichisch ... schlauer Mensch

S.a. andere Europa-Meisterschaften