Středoevropský portál české dechovky /  Mitteleuropäisches Portal böhmischer Blasmusik EVROPSKÝ PORTÁL ČESKÉ DECHOVKY
EUROPÄISCHES PORTAL BÖHMISCHER BLASMUSIK
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"Není těžké komponovat. Je ale úžasně těžké, přebytečné noty smést pod koberec."    "Es ist nicht schwer, zu komponieren. Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen.." -- Johannes Brahms

Böhmische Blasmusik im Wandel der Zeit

Die industrielle Fortschrittseuphorie mit ihrem klaren Bedarf nach Quantifizierung jeder Art und damit eng verknüpftem Konzept des Messens, erfasste bereits, ob direkt oder indirekt, weite Bereiche des menschlichen Wirkens. Am Deutlichsten lässt sich diese Infiltration oder auch geistige Kontamination in vielen kulturellen Bereichen beobachten. Bleiben wir bei der Blasmusik. Ich stelle mir die Frage, aus welchen Beweggründen die böhmische Blasmusik entstanden sein mag, was haben ihre Förderer beabsichtigt und mit welchen Entwicklungstendenzen sind wir heute konfrontiert. Natürlich kann ich in der gebotenen Kürze lediglich eine Bildskizze mit Kohlestift anbieten, lediglich Andeutungen und Reflexionen, die sich auf meine Beobachtungen stützen. Eine fundierte Abhandlung dieses umfassenden Themenbereiches findet hier nicht statt. Diesen Umstand möge der geschätzte Leser auch von vornherein berücksichtigen.

Nicht wenige Leser werden sicherlich wissen, dass das böhmische Gebiet im Herzen Europas ein von Machtansprüchen und Wirrnissen umkämpftes Feld war. In jeder Zeitperiode gab es genügend künstlerisch und intellektuell begabte böhmische Persönlichkeiten, die ihre Kraft einsetzten, um dem Volk Mut einzuflößen und ihm zu helfen, diese oft schwierigen Zeiten leichter zu überwinden. Nicht anders war es im Bereich des Volksliedes. Es gab immer Komponisten, Blaskapellen, Musikanten, die es ungeachtet ihrer persönlichen Gefahr als moralische Pflicht auffassten, einen Beitrag zu leisten, der geopolitisch verursachten, depressiven Stimmung mit ihren musikalischen Fähigkeiten entgegenzuwirken. In dem Sinne wirkte auch František Kmoch, Blaskapellen im südmährischen Raum, Metoděj Prajka, Karel Vacek, um nur einige Namen zu nennen. Denn die Liebe zur Heimat, die eine tiefe inhaltliche Entsprechung in den komponierten Liedern findet, umfasst die Liebe zum Partner, zum Freund, zum Lebensumfeld, zur Gesellschaft, zur umgebenden Natur, zur Kontinuität und Tradition des Volkes. Das waren und zum größten Teil bleiben die tiefen Beweggründe, die zum Entstehen von Liedern führten und weiterhin führen, aus einem tiefen Bedürfnis komponiert, den Menschen zu erfreuen, eine emotionale Hilfe zu bieten, ihm eine Hoffnung, eine Lebensorientierung zu geben. Der begleitende Text zur Musik, der Gesang, der Ausstattungsrahmen sind von der Grundstruktur her, ähnlich wie bei der klassischen Oper, in ihrer Harmonie zueinander ein integraler Bestandteil der "Aussage in ihrer Gesamtheit".

Die Motivation, die mich spontan zu dieser Reflexion veranlasst, lässt sich leicht erkennen. Bei allfälligen Besuchen von Blasmusikpräsentationen gewinne ich manchmal den Eindruck, dass im Grunde keine Absicht besteht, etwas auszusagen. Es geht vielmehr um „Vorführungen“ im Sinne des technischen Fortschrittes auf einem Markt mit seinen ökonomischen Grundprinzipien. Im Vordergrund stehen in der Regel technische, nicht selten dreidimensionale Begutachtungsparameter (gut, immerhin, hinterm „Teich“ kommt man, wie manche meinen, scheinbar schon gar mit einem au$). Manche Veranstaltungen, primär auf Show ausgelegt, werden, wie mir scheint, überhaupt zur Gänze in dem Sinne konzipiert … „sehe und staune“. Ja und wo bleibt die Message? Wollen wir wirklich „industrielle Leistungsmessen“ (gibt es vielleicht von dieser Art doch noch zu wenig??), oder eher Messages, die unser Inneres erfreuen und zur Kontemplation motivieren?

Die blasmusikalische Aussagekunst besteht meines Erachtens darin, mit einem schlichten „Leistungsaufwand“ eine maximale Aussage zu gestalten, die das menschliche Gemüt unmittelbar zu erreichen vermag. Das ist bei mir in der Regel dann der Fall, wo mir jegliche „Leistungsparameter“ erst gar nicht bewußt werden oder sogar auffallen.